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Herr Hary, Oktober 2016

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Herr Hary, Oktober 2016

Lieber Herr Hary,
 
du sahst ziemlich mitgenommen aus, als du bei uns ankamst: gelbliches Fell, die Ohren angefressen, die Augen tränend und du wirktest sehr in dich gekehrt. Spaziergänger hatten dich frei herumhoppelnd im Wald gefunden und zu uns gebracht. Deinen Ohren zufolge warst du eine richtige Kämpfernatur und hattest einige Kämpfe gegen Fressfeinde gewonnen. Deine abgeknabberten Öhrchen konnten wir nicht wieder wachsen lassen, aber doch deine Wunden heilen sowohl innerlich als auch äußerlich. So verheilten langsam deine Wunden an den Ohren, deine Augen hörten auf zu tränen und du wurdest immer munterer. Auch stellten wir erfreut fest, dass dein Fell nach und nach immer heller wurde und du nach ein paar Wochen ein richtiges Schneeflöckchen wurdest.
Viele Menschen nahmen Anteil an deinem Schicksal und so wurden wir von Anfragen für dich überhäuft. Aber bereits die erste Interessentin hatte uns überzeugt und hielt ein tolles Zuhause in einem Kaninchenzimmer mit Buddelkiste und Co. sowie einer bezaubernden Kaninchendame für dich bereit, bis deine Kastrationsfrist zu Ende war. An dieser Stelle verließ dich scheinbar dein Glück.
Noch während deiner Kastrationsfrist wurde unser Tierheim von RHD2 heimgesucht und wir verloren einige unserer Schützlinge. So schnell wie möglich versuchten wir die Tiere aus der Quarantäne, wo auch du wohntest, auf Pflegestellen unterzubringen. Wir wollten abwarten, ob du infiziert bist oder nicht, was einige Zeit in Anspruch nahm. Leider trauerte deine künftige Häsin aber so sehr, dass sich ihre Besitzerin aus Angst, dieses Tier auch zu verlieren, dazu entschloss, woanders nach einem neuen Partner zu suchen und die Vormerkung aufzuheben. Aufgrund des RHD2-Virus gingen die Anfragen nach Kaninchen stark zurück, sodass wir keine neuen Interessenten für dich hatten. So lebtest du wochenlang auf einer Pflegestelle, wo du zum Leidwesen deiner Pflegerin zeigtest, wie viel Lebensfreude in dir steckt: Du bist aus deinem Gehege ausgebrochen, hast Buntstifte zerknabbert, Handtaschen und Stuhlbeine angefressen. Hier konntest du noch einmal richtig „die Sau rauslassen“ und beweisen, dass du ein echter Nager bist J
Leider wurden dann bei dir recht plötzlich Zahnprobleme festgestellt, von denen wir vorher nichts mitbekommen hatten. Selbst ein schneller Besuch beim Notdienst konnte dich nicht retten und du musstest eingeschläfert werden.
 
Lieber Herr Hary, wir werden dich als großes Kaninchen voller Kämpfernatur und Power in Erinnerung behalten. Es macht uns traurig, wie plötzlich sich dir dein Schicksal in den Weg gestellt hat und wir nichts daran ändern konnten. Wir hoffen ganz fest, dass du jetzt einen Ort voller Buntstifte, Handtaschen, Stühle, … und Abenteuer gefunden hast, den du mit deinen neuen Freunden genießen kannst!
 
Mach’s gut, kleiner Rabauke!