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Gretchen, August 2017

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Gretchen, August 2017 Gretchen, August 2017

Gretchen – Unvergessen

Liebes Gretchen,

wir haben uns nur genau drei Wochen lang gekannt. Trotzdem hast Du bei mir einen großen leeren Fleck hinterlassen – sowohl in meiner Küche, als auch in meinem Herzen.

Als ich dich in einer Tierarztpraxis abholte, weil Dein Besitzer nicht mehr in der Lage war, sich um dich zu kümmern, warst Du in einem erbärmlichen Zustand. Du hattest alleine in einem dunklem Kellerraum gelebt und hast schließlich wegen einer Lungenentzündung kaum noch Luft bekommen, warst über und über mit wunden Hautstellen übersät und Dir lief der Eiter aus dem rechten Auge und der Nase. Du musst unheimliche Schmerzen und einen kaum auszuhaltenden Juckreiz gehabt haben (Bild 1).

Ich hatte die ersten Tage kaum eine Nacht durchgeschlafen, sondern bin immer wieder auch nachts in die Küche gegangen, um zu schauen, ob Du nicht am Ersticken bist und wir notfallmäßig in die Klinik fahren müssten.

Nach etwa einer Woche hast Du offensichtlich langsam gemerkt, dass ich dich mit den ständigen Behandlungen nicht ärgern, sondern Dir helfen wollte. Du kamst sogar in Deinem Käfig nach vorne, hast Köpfen gegeben, dich gerne streicheln lassen und hast um Futter gebettelt, wenn ich in die Küche kam (Bild 2).

Leider war nach etwa zwei Wochen klar, dass wir Dein Auge nicht würden retten können und Dir eine schwere OP bevorstehen würde. Wir haben die Operation sogar nochmal verschoben, um Dir noch ein paar Tage mehr zur Abheilung der Haut und zur Stabilisierung der Lunge zu geben.

Trotzdem hat Dein kleiner Körper die Narkose nicht mehr überwinden können und Du bist nach der Operation nicht mehr wach geworden. Ich konnte es gar nicht wirklich fassen. Mir war natürlich klar, das die OP aufgrund Deines Allgemeinzustandes ein relativ großes Risiko birgt, aber es ging Dir in recht kurzer Zeit so viel besser, Du hast eine richtige Lebensfreude gezeigt nach der langen Zeit vorher, die Du mit Schmerzen zubringen musstest, hatte ich einfach die Hoffnung, dass alles gut wird.

Ich hoffe, Gretchen, Du hast die Erfahrung mit ins Regenbogenland genommen, dass es auch Menschen gibt, denen Ihr Tiere nicht egal seid; die sich um Euch kümmern und Euch helfen möchten. Diese Erfahrung durftest Du vermutlich bei Deinem Vorbesitzer nicht wirklich machen. Ich hätte dich zu gerne noch einige Wochen begleitet und dich danach zu netten Menschen mit einem artgerechten Gehege und anderen Kaninchen vermittelt.

Obwohl Du inzwischen schon mehr als fünf Wochen tot bist, stehen mir immer mal wieder die Tränen in den Augen, wenn ich in die Küche komme und auf dem leeren Platz schaue, auf dem Dein Käfig stand. Du kannst Dir sicher sein, ich werde unsere kurze gemeinsame Zeit nicht vergessen!