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Picasso

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Hallo liebe Tierheim-Mitarbeiter! 

Nachdem wir uns schon seit 7 Wochen nicht mehr gesehen haben, wollte ich euch erzählen, wie es mir in meinem neuen Zuhause ergangen ist. Eigentlich sollte ich ja mit meinem alten Kumpel Pablo umziehen, aber leider wurde er so schwer krank, dass er am Tag vor unserem Umzug über die Regenbogenbrücke gehen musste. Viel Zeit zum Trauern hatte ich aber nicht, denn am 12. Oktober bin ich in meine neue WG gezogen. Zuerst waren wir zu dritt: Maxi, ein zurückhaltender brauner Widdermann, die große muntere Lotti und ich. Mit Lotti habe ich mich vom ersten Tag an super verstanden. Schwierig wurde es allerdings, Maxi klar zu machen, dass ich hier der Chef bin, weil er sich immer ängstlich in den Höhlen verkrümelt hat, sobald ich die Rangfolge klären wollte. Nach 3 Wochen Versteckspielen, in denen Maxi so gut wie nie die Sonne gesehen hat, haben wir die Sache dann aber wie richtige Männer geklärt und seitdem futtern wir ganz friedlich aus einem Napf. Weil Lotti und ich ein richtiges Dream Team geworden sind und Maxi immer allein und verloren in der Ecke gehockt hat, haben unsere Möhrchengeber kurz entschlossen zwei neue WG-Bewohner angeschleppt: das noch ganz junge Loh-Kaninchen Lucy und die sehr ängstliche Fenja, die schon viel Schlimmes mitgemacht hat und aus schlechter Haltung gerettet worden war. Mit den Mädels ist jetzt immer Action in der Bude, weil Lotti glaubt, sie immer und überall wegscheuchen zu müssen - wie anstrengend! Ich habe keine Probleme damit, gemeinsam mit ihnen zu futtern und kann nur den Kopf schütteln über die wilden Jagden, bei denen meine Freundin immer den Kürzeren zieht, weil die Neuen einfach viel zu schnell für sie sind...

Die Verpflegung (zum Glück Vollpension) ist prima, mein Nösenberger Futter kannte ich ja bereits. Allerdings gibt es, seit die Wiesen morgens immer weiß sind, kaum noch leckeren Löwenzahn, der sonst 2-3x täglich serviert wurde. Werde mich wohl mal beschweren müssen. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir im Frühjahr wieder saftige Gräser, Blüten, roten Klee (Mmmmhh) und Löwenzahn bekommen werden.

Nachts kuschle ich mit Lotti im geräumigen, gut isolierten Stall. Wir beide haben immer noch sehr viel Platz in unserer Schlafecke, da der Stall eigentlich für 6 Kaninchen gedacht ist und 4 Zimmer frei stehen, weil Lotti sich noch nicht entschließen konnte, den anderen Zutritt zu gewähren (Ich habe Exklusivrechte ;-). Dann müssen sie eben mit den beiden Schlafhäuschen vorlieb nehmen, die mit im Gehege stehen...

Unsere WG lebt in einem kleinen, vom männlichen Möhrchengeber mit viel Hingabe selbst entworfenen und konstruierten Fun-Park mit großer Sandkiste, Hängebrücke und Buddelhügel, alles mit unterirdischen Gängen ausgestattet, die Lotti mit ihren riesigen Pfoten schon arg vergrößert hat. Wenn ich bei ihrem täglichen Graben in der „Schusslinie“ sitze, werde ich schon mal mit Erde beworfen und muss dann erst mal die ganzen Krümel abschütteln, aber so sind die Mädels halt, immer fleißig.

Da ich an grauem Star leide und schon beim Einzug auf einem Auge blind war, bin ich wirklich froh, dass ich mir noch alles in Ruhe einprägen konnte, bevor die andere Linse auch noch trübe wurde. Seit ein paar Wochen (ungefähr ab dem 5. November) sehe ich nun gar nichts mehr, das war am Anfang ein ziemlicher Schock und ich wurde auch prompt krank. Aber täglich 2x inhalieren mit Thymian (riecht echt fein) und meine Medizin haben mich schnell wieder fit gemacht. Mein findiger Möhrchengeber hat mir auch einen gesicherten Blindenaufgang zum Stall gebaut, den die anderen (sehenden) WG-Bewohner einfach respektlos mitbenutzen - naja, da drücke ich mal großzügig ein Auge zu :-). Lotti habe ich kurzerhand zu meinem Blindenhund ernannt, das klappt prima.

Mein Augenarzt entschied gestern, dass meine Augen ab jetzt jeden Tag zweimal getropft werden müssen, um eine Entzündung zu verhindern, da eine OP für uns Langohren zu kompliziert ist. Aber ich komm schon klar; ich weiß ja jetzt, wo alles steht und beim Füttern bekomme ich meistens als Erster was Feines, weil ich unsere Möhrchengeber noch vor den anderen kommen höre - auch wenn Lottis Löffel viel länger sind als meine, hihi.

Ich hoffe sehr, meinen alten Freunden im Gehege + Kleintierhaus geht es auch gut und sie finden so bald wie möglich ein schönes Zuhause mit genauso interessanten und lieben Mitbewohnern wie ich. Danke euch allen für die Pflege im Tierheim, vor allem vielen Dank an Frau Fell und Frau Hartmann, die sich so intensiv um mich gekümmert haben. Toll, wie ihr das alles trotz Job geschafft habt, weiter so!

Melde mich nächstes Jahr wieder, Fotos habt ihr ja schon jede Menge bekommen...

Haltet euch munter bis dahin, einen schönen Advent wünscht euch allen

Euer Picasso