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Palü (Beppo)

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Palü (Beppo) Palü (Beppo) Palü (Beppo) Palü (Beppo)

Salü!

Hier spricht Palü. Im Tierheim wurde ich ja Beppo genannt, aber meine Zweibeiner haben mich gleich umgetauft, und ich habe auch sofort darauf gehört! Schließlich komme ich ja von der deutsch-französischen Grenze, wo man mich aufgegriffen und ins Bertha-Bruch-Tierheim gebracht hat. Sie nannten mich „Fundkater“, und ich kann leider gar keine Auskunft geben, was vorher war. Jedenfalls hatte ich Schnupfen und landete auf der Quarantänestation im Käfig, wo ich Medikamente bekam. Das Personal war dort sehr nett, aber man hat als Kater natürlich gern sein eigenes nur für sich!

Als dann eines Tages beim Sommerfest im letzten Jahr ein Zweibeinerpaar vor meinen Käfig trat und sich für mich interessierte, setzte ich mich natürlich schön in Pose. Die Zweibeinerin bat darum, mich auf den Arm nehmen zu dürfen, was auch erlaubt wurde. Ich h a s s e es, auf den Arm genommen zu werden, aber ich dachte: Jetzt gilt’s! Gutes Personal ist schwer zu bekommen! Und so verhielt ich mich ruhig, bis ich (leider) wieder in den Käfig zurückgesetzt wurde. In der Quarantänestation warteten auch andere Katzen darauf, daß ihnen neues Personal vermittelt wurde, aber die beiden wollten unbedingt mich haben, und nun setzte das typische Zweibeinerpalaver ein. Die beiden hatten nämlich auch noch eine Urlaubsreise vor sich; naja, das muß man ja wenigstens einmal im Jahr dem Personal zugestehen. War mir auch egal, Hauptsache, sie nahmen mich mit. Taten sie aber an dem Tag nicht, denn der ganze Zweibeinerquatsch mußte noch erledigt werden - dabei sind wir Katzen doch gar nicht so kompliziert: Wir wollen gutes Futter, Streicheleinheiten, hervorragendes Personal, eine schöne Wohnung, vielleicht auch mit Garten, ein weiches Bett, Spielmöglichkeiten, ein Kistchen mit Babypuderduft-Katzenstreu und noch ein bisschen mehr… aber das macht doch nicht viel Kopfzerbrechen, oder?

Ein paar Tage später kamen sie mich besuchen. Es begann sich abzuzeichnen, daß es klappen würde mit dem neuen Zuhause. Allerdings brauchten sie noch die Zustimmung einer netten, katzenfreundlichen Nachbarin, während des besagten Urlaubs auf mich aufzupassen. Nachdem dies auch geklärt war, wurde ich zwei Tage später abgeholt mit einem ganz neuen Korb! Da hatte noch kein anderer Kater drin gesessen!! Vier Zweibeiner (meine eigenen und die besagten lieben Nachbarn) holten mich ab mit einem Auto, und so wurde ich im Triumph in mein neues Zuhause gebracht.

Dort habe ich mich sehr schnell eingelebt, mit dem Kistchen hat es auch gleich geklappt, und schon am ersten Abend sprang ich zur Zweibeinerin ins Bett und tollte wie wild herum vor lauter Lebensfreude. Ein Bett ist was Tolles; ich verstehe bloß immer nicht, wie man mit lauter Mäusen schlafen kann. Ständig beult sich irgendwo die Bettdecke aus, wenn die beiden darin liegen, und ich werfe mich dann auf die Stelle und werde ganz fuchsteufelswild (paßt ja auch zu meiner roten Fuchsenfarbe). Immer, wenn ich glaube, die Maus erwischt zu haben, bewegt sich die Decke dann an einer anderen Stelle, und alles geht von vorne los. Die Zweibeiner lachen dann immer und freuen sich, obwohl ich die Maus nicht kriege. Wenn ich genug von der Jagd habe, springe ich aus dem Bett und auf den Stuhl, der daneben steht. Dort liegt dann schon meine kleine Matratze, von den Zweibeinigen „Palüs Schlauchboot“ genannt, und dort rolle ich mich zusammen und schlafe.

Zuviel Freiheiten darf man dem Personal aber nicht gewähren. Meistens stehe ich um 7 Uhr buchstäblich „auf der Matte“ und schnurre ihnen die Ohren voll. Wirksam ist auch, sich auf den Bauch eines der beiden zu setzen und heftig zu treteln. Dann werde ich meistens ausgiebig gestreichelt. Wenn die beiden dann allerdings immer noch nicht aufstehen, muß ich energischer werden. Dann springe ich auf die Kommode und von dort auf den danebenstehenden Kleiderschrank, was ein Riesengetöse verursacht und die beiden normalerweise auffahren läßt. Dann kann endlich der Tag beginnen.

Vom Discounter-Noname-Futter habe ich die beiden nach anfänglicher Toleranz dann doch weggebracht. Mein Favorit ist Huhn, und besonders beim Frühstück zarte Wurstscheiben aus Hähnchenbrust. Eine Zeitlang war mir auch Käse sehr genehm, mon Dieu, schließlich komme ich aus Frankreich (oder fast…). Wenn mir ein Futter nicht zusagt, scharre ich mit der Pfote neben dem Napf. Das heißt: Das Zeug könnt ihr wegnehmen! Oder wegholen, wie man hier im Saarland sagt.

Manchmal bekomme ich auch ein bisschen Milchschaum ab. Solchermaßen gestärkt, kann ich dann entweder ein bisschen spielen oder ich beziehe meinen Fensterliegenplatz.

Ich renne auch gern wie wild durch die Wohnung oder spiele mit den Zweibeinern. Ich habe verschiedene Bälle und Angeln mit Mäusen und Federwedel. Es ist immer putzig, die Zweibeiner dabei zu beobachten, wie sie sich freuen und lachen. Naja, dann macht man ihnen halt die Freude. Aber eigentlich macht es mir meistens selbst auch viel Spaß. Danach kann ich mich dann erstmal wieder ausruhen.

Hin und wieder gibt es ein Gefecht mit einem gescheckten Kater an der Fensterscheibe. Ich zeige allen anderen Katern, was die Glocke geschlagen hat!! Ich will hier alleine sein und dulde niemanden außer mir! Da ich so ein stolzer Kater bin, will ich mich jetzt auch nicht mehr auf den Arm nehmen lassen, aber das tragen die Zweibeiner mit Fassung. Sie nennen mich dann „Palü Löwenherz, Ritter vom Katzenschwanz“. Nun bin ich auch noch adelig, ich, der „Fundkater“ von der französischen Grenze! Le chat, c’est moi!!!

Alles in allem kann ich also sagen, daß ich mit meinem neuen Zuhause und dem Personal doch recht zufrieden bin. Ich wünsche auch den anderen Feliden im Bertha-Bruch-Heim, daß sie eine schöne neue Bleibe finden.