Voransicht

Hydra

Zum vergrössern, Bild anklicken!
Hydra

Liebe Tierfreunde und Vereinskollegen.

Am 14 April 1996 stand ich vor dem geschlossenen Tor des BB-Tierheims, weil am Samstag zuvor ein getigerter Kater in der Saarbrücker Zeitung unter "Aus dem Tierheim zu Dir heim" abgebildet war. Es war Montag und nur ein ahnungsloser junger Mann auf dem Gelände zu sehen, der nicht wusste, um welches Katerchen es sich denn handele. Gerade wollte ich schon unverrichteter Dinge wieder abfahren, als ein anderer Mitarbeiter des Vereins sein Auto neben meinem parkte. Der junge Mann hinter dem Zaun nannte ihm meinen Wunsch, aber auch er wusste nicht, welches Katerchen da beworben wurde, meinte aber, er hätte gerade ein Kätzchen abgeholt, das vermutlich von einem Tierfänger aus dem Auto geworfen wurde, als selbiger Strolch wohl die Tatowierung in ihren Ohren bemerkt habe. Und wenn sie mir gefiele, könnte ich sie ja gleich mitnehmen.
Das habe ich auch getan, und war über diese Entscheidung immer sehr glücklich, denn Hydra, wie sie ab sofort hieß, war eine echte Ausnahmekatze: Total zärtlich, brav und extrovertiert, jeder Kunde, der mein Büro betreten hat, wurde sofort angeschmust, sie ging sogar mit mir in meine Stammkneipe und freute sich über die vielen Streichelhände. Der Wirt rannte jedes mal schnurstracks in die Küche und hat ihr eine ordentliche Portion Rindfleisch zusammengeschnippelt. Es war ein tolles und verschmustes Leben mit ihr.

Vor ein paar Monaten hatte sie einen bösartigen Tumor hinter der linken Schulter, der erfolgreich entfernt werden konnte, der aber wohl bereits Metastasen gebildet hatte. So hat sich hinter dem linken Auge ein neuer Tumor gebildet, der das Auge bereits etwas aus der Augenhöhle herausdrückte. Gestern war ich deshalb mit ihr in der Tierklinik Marholdt in Wadgassen, und statt eines harmlosen und punktierbaren Abszesses wurde in Narkose tatsächlich per Ultraschall ein Festkörper hinter den Augapfel diagnostiziert. Er hätte das Auge immer mehr nach außen gedrückt, sie hätte die Lider nicht mehr schließen können und das Auge wäre ausgetrocknet. Zudem hat man ihr nur noch etwa acht Tage gegeben, verbunden mit heftigen Schmerzen.

So habe ich entschieden, dass es für meine Süße einfach besser sei, aus dieser leichten Untersuchungs-Narkose erst gar nicht mehr aufzuwachen, auch wenn mir dabei das Herz blutete. Gestern am Nachmittag wurde sie dann eingeschläfert, und nun liegt sie in einem Holzsarg unten in meinem Konferenzraum. Montag werde ich sie auf meinem Grundstück an einem  nicht begangenen Platz würdig beerdigen. Sie war nun fast 23 Jahre alt.

Trost gibt mir in all der Trauer ein kleines schwarzes Kätzchen, das mich vor vier Monaten adoptiert hat. Ihr Name ist Lisa.
Sie trieb sich ab etwa Anfang Juni auf meinem Grundstück herum, war unglaublich ängstlich und scheu und hatte ewig Hunger im Pelz. Daraus habe ich geschlossen, dass die kleine Maus kein Zuhause hat und so auch kein regelmässiges Futter. Anfangs betrug die Fluchtdistanz mehr als 10 Meter. Ich habe dann begonnen, sie in meinem Carport zu füttern und im Laufe der Zeit durfte ich direkt neben ihr sitzen, wenn sie am essen war, nur anfassen war nie erlaubt. Am 15. August habe ich dann beobachtet, wie des unbelehrbaren Nachbars Kater die Kleine gedeckt hat. Zum Glück gelang es mit Hilfe einer Dame von "Tiere in Not" die Maus einzufangen und sie (tatsächlich trächtig) zu sterilisieren. Ich habe sie dann aus der Tierklinik in Heusweiler abgeholt, wo man mir sagte, dass diese Katze "nicht zu handlen" sei! Seit 5. September lebt sie nun hier in meinem Haus und ist das liebste Kätzchen, das man sich vorstellen kann: Sie macht keine Dummheiten, mault nicht, weil sie nach draußen will und ist für das kleinste Schmusen sofort schnurrbereit. Sie ist wohl jetzt kaum älter als ein Jahr und vielleicht war sie 2012 ein Weihnachtsgeschenk, das man bei Beginn der Urlaubszeit 2013 ausgesetzt hat. Sie hat jetzt jedenfalls ein sicheres Zuhause, und wenn ich (61) einmal gehen sollte, ist jetzt schon für sie vorgesorgt, denn eine meiner Mitarbeiterinnen wird sie jedenfalls übernehmen, denn die liebt sie jetzt schon.

Ich weiß nicht, ob Ihr solche Meldungen von vermittelten Tieren öfter bekommt, aber ich wollte mich bei Euch für die fast 18 Jahre mit Hydra und den tollen Zufall vor dem Tor einmal bedanken. 

H. D. Jahr, Völklingen