Voransicht

Ferrari

Zum vergrssern, Bild anklicken!
Ferrari Ferrari Ferrari

Auch die Hoffnungslosen haben Hoffnung verdient - Ferrari

Im Oktober letzten Jahres erzählte mir Barbara von dem kleinen Kätzchen, das in der Quarantäne saß: Ferrari

Eine Junge ca. 4-6 Monate alte Katze, die vom Auto angefahren worden war. Die Folgen waren sehr schwer. Schädel-Hirn-Trauma, das zur folge hatte, dass Ferrari erblindet ist. Zudem war sie extrem verwildert und ließ sich von Menschen nicht anfassen.

Naja, das war zwar nicht der Spielkamerad für meinen Kater, den ich gesucht habe, aber anschauen schadet ja nicht. Und da saß sie im Käfig an die Gitter gepresst, fauchend und zitternd.

Und ich verliebte mich. Große Schwarze Augen schauten mich an und ich wusste, sie ist eine von unseren Hoffnungslosen.

Also nahm ich sie noch am selben Tag mit. Bei mir zu Hause angekommen, versteckte sie sich erst mal drei Tage im Katzenklo. Und fauchte und spuckte sobald ich oder eine meiner Katzen zu ihr kamen. Naja, also baute ich als erstes Mal ein zweites Klo auf, was meine zwei Alten dankbar annahmen.

Drei Tage später saß ich auf der Couch und ich schaute fern. Snoopy lag friedlich neben mir auf der Decke und da hörte ich leise Schritte aus dem Nachbarzimmer kommen. Ich drehte mich um und da saß sie in der Tür. Kaum hörte sie, dass ich mich bewegte, war sie wieder weg. Und so vergingen Wochen. Zwar lag sie dann irgendwann dankbar in dem Körbchen neben der Couch, war aber bei jeder Bewegung weg.

Überall stieß sie in der ersten Zeit dagegen und ich verzweifelte. Meine kleine Ferrari, von mir liebevoll kleine Kuh genannt, wegen ihrer kleinen schwarzen Kuhflecken. Sie machte überall hin, auf jede Decke und jedes Kissen. Meine Waschmaschine lief im Dauergang und neue Decken und Kissen kamen andauernd. Dann fand ich raus, dass der Unfall noch mehr kaputt gemacht hatte. Ferrari wusste nicht wie viel man trank. Sie trank immer extrem viel. Rannte dann panisch umher und suchte das nächste „Klo“. So kam es, dass ich dann irgendwann in jeden Zimmer ein Klo stehen hatte und endlich blieb alles andere trocken.

Mein menschlicher Besuch, war zwar nicht besonders davon angetan, aber Ferrari ging es besser. Sie entspannte sich langsam und nach zwei Wochen im Urlaub im Dezember war mein schönstes Weihnachtsgeschenk, das ich sie streicheln durfte. Bei jedem vorherigen Versuch hatte ich blutige Hände. Es war zwar nur ein kurzer Moment, aber jeder der mal eine verängstigte oder aggressive Katze hatte, weiß was es für ein Glücksgefühl ist, wenn diese Katze sich das erste Mal an deine Hand schmiegt. Ok zwei Sekunden später war das Glück vorbei und ich hatten wieder Striemen  auf der Hand, aber diese paar Sekunden gaben mir Hoffnung. Wir werden das schaffen.

Heute im Juli 2014, nach einem Umzug und viel Chaos, kommt Ferrari morgens, wenn der Wecker klingelt, sich ihre zwei Sekunden Streicheleinheit abholen. Wir arbeiten gerade daran, dass ich die Hand auch mal auf ihr liegen lassen kann ohne zerfleischt zu werden.

Bis auf kleine Unfälle ist sie nie mehr unsauber gewesen. Meine beiden Alten und sie kommen auch sehr gut mit einander klar. Es wird jetzt nie die große Liebe, aber manchmal macht sie ihrem Namen alle Ehre, wenn sie mit meinem Kater durch die Wohnung wie ein kleiner Ferrari rast. Todesmutig und nur Schemen erkennend spaziert sie über die Brüstung meines Balkons. Genießt die Sonne und wenn es Hühnchen gibt ist sie die erste am Tisch. Sie hat gelernt, dass sie mich nicht beißen muss und dass meine Hand ihr nicht weh tut. Sie lässt sich an den Orten wo sie sich wohl fühlt auch mal länger streicheln. Aber die größte Freude schenkt sie mir, wenn sie auf der Couch in seltenen Momenten bei mir liegt und schläft. Es zeigt mir, dass alle Arbeit, alle Kratzer und Bisse, alle Waschladungen, alle Tränen und jeder Moment der Verzweiflung es Wert waren.

Wenn diese Katze zufrieden und ruhig neben mir liegt und einfach tief schläft war jeder Moment es Wert dieser kleinen Katze wieder Vertrauen zu schenken. Sie wird wohl nie eine Kuschelkatze, aber das wollte ich auch nicht. Ich wollte ihr einfach ein schönes Leben schenken, ein Ort wo sie sich sicher fühlen kann und den Rest ihres Lebens verbringen kann. 

Ferrari hat mir gezeigt, dass es sich lohnt die Hoffnung nie aufzugeben und dass nicht jeder hoffnungslose Fall hoffnungslos ist. Für mich und meine kleine Kuh hat es sich gelohnt.