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Das Allerwichtigste erst einmal vorweg: Ein Meerschweinchen allein ist eine arme Sau!

Wer sich mal ein bisschen Zeit nimmt und eine Gruppe von Meerschweinchen bei ihrem sozialen Umgang miteinander beobachtet, wird schnell zu der Erkenntnis kommen, dass eine Einzelhaltung für diese geselligen Nager absolute Quälerei bedeutet. Meerschweinchen sind Gruppentiere, die in der Natur in großen Familienverbänden zusammen wohnen.
Dabei lebt meist ein Böckchen mit einer Gruppe von mehreren Weibchen und dem Nachwuchs zusammen. Dies ist so in Gefangenschaft natürlich nicht möglich, da die Tiere sich sonst unkontrolliert vermehren würden. Am natürlichsten ist daher die Haltung einer gemischten Gruppe, die aus einem kastrierten Bock und einem oder mehreren Weibchen besteht.
Ob ein oder mehrere weitere Kastraten in so eine Gruppe integriert werden können, hängt vor allem vom Platzangebot, aber auch von der Anzahl der Weibchen ab. Es sollten nicht mehr Böcke als Mädels zusammen sitzen, da die Jungs sonst oft schwere Konkurrenzkämpfe austragen.

Die Haltung mehrerer unkastrierter Böcke ohne Weibchen erscheint vielen unerfahrenen Besitzern praktisch, da die Kastration (pro Tier ca. 50 – 60 Euro) unnötig erscheint. Allerdings kommt es oft doch irgendwann zu Beißereien zwischen den Tieren. Und spätestens, wenn ein Bock gestorben ist und man ein neues Partnertier dazu setzen will, bekommt man oft ein Problem.
Wenn es dann mit einem neuen Bock nicht klappt, steht man vor der Entscheidung, entweder ein inzwischen schon recht altes Tier einem relativ hohen Narkoserisiko bei der Kastration aussetzen zu müssen, oder es aber den Rest seines Lebens alleine halten zu müssen.

Daher: am besten alle Böcke möglichst früh (mit ca. 3-4 Monaten) kastrieren lassen! In gemischten Gruppen sind außerdem für den interessierten Halter viel mehr verschiedene Verhaltensweisen der Tiere untereinander zu entdecken. Meerschweinchen haben ein relativ großes Ausdrucksvermögen und kommunizieren sowohl über Körpersprache, als auch hauptsächlich über Lautäußerungen miteinander.

Besitzer, die sich intensiv mit ihren Schweinis beschäftigen werden schnell lernen, Laute zu interpretieren und sich darüber freuen, selbst mit ihren Tieren kommunizieren zu können. So erkennen viele Meerschweinchen ihre Bezugsperson zum Beispiel nach kurzer Zeit am Gang und begrüßen sie, wenn sie sich dem Zimmer nähert. Auch Signale wie beispielsweise eine quietschende Kühlschranktür lösen bei den Tierchen oft schon nach einer kurzen Eingewöhnungsphase Begeisterung aus.

Was die Unterbringung der Schweinchen angeht, ist folgendes dringend zu beachten: Meerschweinchen sind Fluchttiere. Das heißt, dass sie bei Gefahr sofort einen sicheren Unterschlupf aufsuchen; meist hat zuvor eins der Tiere die anderen durch einen schrillen Pfiff gewarnt. Für die Haltung in menschlicher Obhut bedeutet dies, dass Versteckmöglichkeiten wie Holzhäuschen, Tunnel, Rindenstücke oder gegebenenfalls auch Pappkartons unverzichtbar sind. Dabei sollten möglichst immer mindestens so viele Höhlen wie Schweinchen vorhanden sein, damit in einer Stresssituation jedes Tier eine eigene Rückzugsmöglichkeit hat.
Optimal sind dabei Häuser /Kisten mit mindestens zwei Ausgängen, damit im Streitfall keinem Wutz der Ausgang durch ein anderes versperrt wird. Alleine schon aus diesem Grund ist die ausschließliche Haltung in einem handelsüblichen Käfig grundsätzlich abzulehnen. Denn in ihnen können sich die Tiere im Konfliktfall nicht aus dem Weg gehen und ihr Bewegungsdrang kann nicht ausgelebt werden. Auch bietet kein Käfig genug Platz für viele Unterschlupfmöglichkeiten. Außerdem entstehen bei reiner Käfighaltung oft Erkrankungen, die durch artgerechte Haltung vermeidbar wären.
So führt beispielsweise der Bewegungsmangel in Kombination mit zu wenig oder zu selten gewechselter Einstreu oft zu Ballenabszessen, die sehr schwer zu behandeln sind und leider oft nie mehr abheilen und sogar zum Verlust von Gliedmaßen oder infolge einer Infektion auch zum Tod der Tiere führen können. Desweiteren neigen die Schweinchen in Käfighaltung eher zu Streitereien und Beißereien, was im schlimmsten Fall zu ernsthaften Verletzungen führen kann. Durch den Stress, der in dieser Situation entsteht, sind sie außerdem anfälliger für Hautkrankheiten sowie Verdauungsstörungen. Stressbedingt können sich Parasiten leichter festsetzen und es kommt nach kleinen Verletztungen aufgrund von Kabbeleien häufig zu Hautinfektionen wie z. B. Pilzbefall.
Also bleibt dem gewissenhaften Meerschweinchenhalter nichts anderes übrig, als den kleinen Vielfraß-Monstern ein Gehege Marke Eigenbau zur Verfügung zu stellen. Dies kann entweder in der Wohnung, oder aber im Garten geschehen.

Im folgenden wollen wir sowohl zur Innen-, als auch zur Außenhaltung einige Tipps geben. Natürlich sind der Phantasie beim Bau der Gehege aber keine Grenzen gesetzt. Zur Wohnungshaltung: Im Gegensatz zu vielen Kaninchen werden Meerschweinchen leider in den meisten Fällen nicht stubenrein. Daher sollte der Boden des Geheges abwaschbar sein. Hierfür eignet sich z. B. ein PVC-Bodenbelag. Ein handelsüblicher Käfig, dessen Gittertür unbedingt entfernt sein muss (nicht einfach nur aufklappen: Verletzungsgefahr!!!!) kann evtl im Auslauf stehen, um den Tiere eine Rückzugsmöglichkeit zu bieten. Er kann gleichzeitig zur Befestigung von Heuraufe und Wasserflasche dienen. Außerdem hat man somit die Möglichkeit, im Notfall ein krankes Tier separat, aber trotzdem mit Kontakt zur Gruppe halten zu können.
Die Umrandung des Geheges sollte möglichst dicht sein. Denn einerseits fliegt bei Verfolgungsspielen im Gehege ganz gerne mal ein Teil der Einstreu sonst quer durchs Zimmer und andererseits sollte man nicht unterschätzen, wie hoch und weit eine Meerschweinchendame, die von einem anderen Schwein allzu sehr bedrängt wird, nach hinten pieseln kann. Da hat man mal eben ganz schnell Flecken in ca. 15 bis 20 cm Höhe an der Wand. Außerdem sollten die Schweine auch nicht die Möglichkeit haben, an Fußleisten, Tapete oder Steckdosen zu nagen.
Obwohl Meerschweine nicht gerade Meisterspringer sind, schaffen sie es locker aus dem Stand über die Wanne eines Plastikkäfigs. Daher muss die Gehege-Umrandung mindestens 25-30 cm hoch sein, damit es nicht zu Ausbrüchen kommt.
Um sich Arbeit zu ersparen, kann es sinnvoll sein, sich sogenannte Nager-Klos anzuschaffen. Diese kleinen Plastikwannen kann man unter Holzhäuschen oder Pappkartons in den Auslauf stellen. Die Schweinis werden ihre Geschäftchen hauptsächlich darin erledigen, da sie sich, wenn sie nicht gerade am fressen sind, die meiste Zeit in diesen Unterschlüpfen aufhalten werden.
Der Auslauf lässt sich dann relativ flott durch Auskippen der Klos, durchfegen und einmal feucht durchwischen reinigen.

Zur Außenhaltung: Oberstes Gebot ist hier: Das Gehege muss nicht nur ausbruch- sondern vor allem auch einbruchsicher sein! Leider passiert es immer wieder, dass Kleintiere im Garten von Füchsen, Mardern, Katzen, Hunden oder Vögeln schwer verletzt, verschleppt, oder getötet werden. Daher ist bei dauerhafter Freilandhaltung ein sicheres Gehege unerlässlich! Hierzu muss man bedenken, dass beispielsweise Füchse bis zu einem halben Meter tief graben können, um in ein Gehege einzudringen.
Deshalb empfiehlt es sich, entweder eine Außenmauer ein Stück in den Boden einzulassen, oder aber einen dichten Kaninchendraht am besten schräg nach außen vom Gehegerand ausgehend zu vergraben. Wenn man sich für die Draht-Variante entscheidet, dann am besten den viereckigen etwas stabileren nehmen und nicht den typischen sechseckigen Hasendraht (hier können sich Marder durchbeißen!). Ein Teil des Geheges muss unbedingt vor jeglicher Witterung geschützt sein, da Meerschweinchen sehr empfindlich für Überhitzung sind (Sonnenschutz!), sie bei nassen Füßchen gerne Blasenentzündungen und Sohlengeschwüre bekommen (Regenschutz!), bei starker Zugluft eine Erkältung droht (Windschutz!) und im Winter Erfrierungen drohen (Kälteschutz!; hierfür ist ein gut isolierter Unterschlupf wichtig).
Wenn der Boden nicht besonders durchlässig ist, kann auch eine komplette Überdachung sinnvoll sein. Dabei ist aber unbedingt auf genügend Frischluftzufuhr zu achten. Weiterhin sollte sowohl bei Innen- als auch bei Außenhaltung bedacht werden, dass Meerschweinchen nunmal Nagetiere sind und eventuell auch in Versuchung kommen könnten, Holzteile des Geheges anzuknabbern: Daher ist es immens wichtig, Häuschen, Zäune und andere Holzbauteile regelmäßig zu kontrollieren.

Zum Schluss noch einige kurze Anmerkungen zur Fütterung: Meerschweinchen sind auf einen hohen Rohfasergehalt in der Nahrung angewiesen. Daher ist als Grundfutter für Meerschweinchen gutes frisches Heu unlimitiert anzubieten. Es sollte nicht zu stohig sein, aromatisch riechen und keine schimmeligen Bestandteile aufweisen. Frisches Trinkwasser muss ebenfalls immer zur Verfügung stehen.
Da nicht alle Meerschweinchen gut mit Wasserflaschen klarkommen, am besten neben der Flasche auch noch ein Wasserschälchen anbieten. Trockenfutter ist bei Innenhaltung, wenn die Tiere im Winter keine Fettschicht brauchen, eigentlich nicht nötig. Wer nicht auf Trockenfutter verzichten will, sollte auf jeden Fall auf ein spezielles Meerschweinchenfutter (im Gegensatz zu anderen Nagerfuttersorten mit Vitamin C angereichert) ohne Getreide zurückgreifen. Zusätzlich zum Heu sollte täglich Frischfutter in Form von Gemüse (z. B. Paprika (viel Vit C!!), Gurken, Karotten mit Grün, Chiccoree, Endivien, Eisberg, Tomaten, Fenchel, wenig Kohl (vorsicht Blähungen!)), eventuell etwas Obst (Apfel, Banane, Kiwi, Ananas, Weintrauben, Erdbeeren, Kirschen) und ab und an Kräuter (Löwenzahn, Petersilie, Basilikum und ähnliches.


Vorsicht: Alle Kräuter enthalten viel Kalzium, was bei Meerschweinchen schnell zu Blasensteinen führen kann!, also nicht zu viel!) angeboten werden. Frischfutter, das nicht innerhalb weniger Stunden gefressen wurde, sollte entfernt werden, da es leicht schimmeln kann. Zwischendurch freuen sich die Meeris - und auch ihre Schneidezähne - über den einen oder anderen Zweig zum knabbern. Hierbei sollte man ungespritzte Zweige von Birke, Hasel oder Kernobst verwenden - Steinobst nicht, da hier die Rinde giftige Blausäure enthalten kann - verwenden.

Wir hoffen, dass Sie durch diese Seite einige Ideen zur Haltung von Meerschweinchen und zur Gestaltung von Gehegen bekommen haben und würden uns freuen, wenn Sie einem oder mehreren unserer Schweinchen ein neues Zuhause geben würden. Für weitere Fragen steht Ihnen unser Kleintierteam gerne zur Verfügung. Noch eine allerletzte Bitte: Sollte eines Ihrer Meerschweinchen sich einmal anders als normal verhalten, dann zögern Sie bitte nicht, schnellstmöglich einen Tierarzt aufzusuchen. Meerschweinchen zeigen Krankheiten relativ spät, damit sie in der Natur nicht aus ihrem Familienverband ausgeschlossen werden. Daher kann es für eine erfolgreiche Behandlung schon zu spät sein, wenn man den Besuch bei einem Tierarzt auch nur einen Tag hinauszögert.

Ein Meerschweinchen, das nur einen einzigen Tag nicht richtig frisst, ist prinzipiell immer als lebensbedrohlicher Notfall einzustufen!

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